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Liebe Leser,

Der 06. August 1644 ist der Geburtstag meiner Heldin, und ihr zu Ehren habe ich diese Geschichte noch einmal überarbeitet, und schicke sie nun in die Welt hinaus. Als Louise geboren wird, ist dieses Ereignis von so geringer Bedeutung, daß es ihrem Vater zu verdanken ist, dass man genaue Daten weiß.

Viel ist nämlich nicht bekannt über Kindheit und Jugend von Louise de La Vallière . Schließlich war sie die Tochter eines unbedeutenden Landadeligen, der sich bisweilen selbst die Butter auf dem Brot nicht leisten konnte. Selbst über die Anzahl ihrer Brüder ist man sich nicht einig. Oder über die Namen derselben. Wie sich ihr Schicksal wandeln würde, ahnte man nicht voraus. Oder?
Denn manches weiß man doch.

Versailles

Louise de La Vallière ist arm. Von Adel, ja, aber so gering, dass selbst ihr Vater keinen Wert auf die Anrede mit diesem unbedeutenden Titel eines Sieurs legt. Ihr Dach über dem Kopf haben sie geerbt, und die Ehe Laurent de La Vallierès mit Françoise hat neues Geld in die Truhe gebracht, aber es rinnt schneller als neues nachkommt.
Nicht, weil Laurent ein Verschwender wäre. Im Gegenteil, das ist er nicht. Aber er ist das Modell eines Landsmannes, eines Gentilhomme, mit Werten und Idealen.
Er kümmert sich um seine Pachtbauern und steht dem kleinen Dorf mit Umsicht vor. Gerät jemand in kleinere oder größere Kalamitäten, hilft er aus. Er teilt sein Hab und Gut sprichwörtlich mit den Armen. Seine Frau sieht es mit Sorge.

«Was geht es uns an?»
Laurent lässt sich nicht beirren. Seine Frau schenkt ihm zwei Söhne. Söhne. Wundervoll. Söhne können sich selbst ernähren, Sie können in der Armee ihren Weg gehen. Sie können eine gute Partie machen.
Françoise ist zu Höherem bestimmt, das glaubt sie selbst. Lange setzt sie Laurent zu, das Umwandeln der Seigneurerie in ein Marquisat bei Roy Louis XIII zu erbitten. Nach langem Zögern willigt Laurent ein. Doch sein Schriftstück kommt zu spät. Der König, immer kränklich, ist endgültig seinen Leiden erlegen. Er konnte noch seine Zustimmung diktieren, die Erhebung ist aber nicht erfolgt. Zurück lässt er eine fröhliche Witwe und einen unglücklichen Kind-König, der noch nicht einmal fünf Jahre zählt.
Françoise macht ihrem Gatten bittere Vorwürfe.

Dann die dritte Schwangerschaft. Françoise macht sich Sorgen um das Wohl der Familie. Sie drängt ihren Mann so lange, bis er den weiten Weg durch das verwüstete Frankreich, es herrscht schließlich Krieg, nach Paris antritt. Bei der Königin bitten soll er. Sie an das gegebene Versprechen von Louis XIII erinnern. Die Königin empfängt ihn, den kleinen König an ihrer Seite. Laurent, vollendeter Höfling, trägt seine Bitte dem König vor. Ein hübscher Knabe, liebenswürdig, aber zurückhaltend. Schüchtern.
Die Stirn Anne d’Autriches umwölkt sich. Sie mustert den Bittsteller, streng, unerbittlich. La Vallière. Der Name lässt sie frösteln. Dann stehen Bilder in ihr auf. Der Blick der Königin wird starr. Nein! Sie weigert sich. Kein Marquisat. Keine Zulassung bei Hofe.
Laurent kehrt nach La Reugny zurück. Seine Ehefrau empfängt ihn nicht freundlich.

Der 06. August 1644 zieht als goldener Augustmorgen über der Stadt Tours herauf. Ein Samstag. Die Stadt ruht noch, erwacht erst allmählich. Nur im Stadthaus der La Vallières Unruhe. Die Gattin des Seigneurs liegt in den Wehen, steht kurz vor der Niederkunft. Laurent de La Vallière mag die Stadt nicht, er fühlt sich wohler auf dem Land, wo er freier atmen kann, wo er nur wenige Schritte tun muss, um die belebende Wohltat des Waldes zu spüren. Doch zu Gunsten seiner schwangeren Frau ist er übergesiedelt, die Versorgung ist hier in der Stadt besser. Françoise ist keine, die ihre Schwangerschaften leicht  erträgt. Zwei Jungen gibt es doch schön, eine dritte Schwangerschaft war doch nicht notwendig. Mühevoll hat sie sich durch den Juni, den Juli geschleppt, ihr Leib rundet sich weiter. Sie sehnt das Ende herbei.

Laurent hat alle Vorkehrungen getroffen. Er hat die Hebamme herbeigeholt, für alle Fälle einen Arzt verständigt, der sich in Bereitschaft hält. Das Kind lässt zum Glück nicht lange auf sich warten.

Als Louise im Verlauf des Morgens in Tours im Haus der La Vallierès geboren wird, seufzt ihre Mutter auf. Ein Mädchen. Auch das noch. Trotz des Genusses grüner Äpfel, die doch die Geburt eines Sohnes fördern sollen. Ein Mädchen kostet Geld, es muss verheiratet werden, ihre Mutter denkt bereits über die Mitgift nach. Neben der Mutter wacht eine Frau, die die Hebamme mitgebracht hat. Niemand kennt die Fremde, aber man sagt ihr nach, solange sie bei einer Geburt assistiere, würde es dem Neugeborenen an nichts fehlen.
Ha! seufzt die Mutter im Wochenbett. Es wäre der Kleinen zu wünschen.

Die Unbekannte nimmt den Säugling in den Arm. Sinnend sieht sie auf das Kind hinab. Dann flüstert sie eine Botschaft, nur vernehmbar für Vater und Mutter. Die Mutter lacht auf, unmöglich! Ihr Vater sieht der weisen Frau in die Augen und versteht.

«Wie», fragt diese, «wollt Ihr die Kleine nennen?»
«Françoise», sagt die Ruhende auf dem Wochenbett. «Nach mir.»
«Marie», sagt die weise Frau. «Nach die Gottesmutter, der Schutzpatronin der Königinnen von Frankreich.»
«Louise», sagt ihr Vater. «Nach dem König von Frankreich.»

À suivre.