Mots-clefs

, , , ,


Mes chers,

Dieser Artikel hier geschieht aus aktuellem Anlass. Wie manche wissen, gehört das « Quizduell » zu meinen Passionen, und ich spiele es auf Deutsch und auf Französisch. Meine liebste Kategorie ist « Zeugen der Zeit » beziehungsweise « Au fil des siècles » in der französischen Version.

Dort wurde ich eben mit folgender Frage beglückt: « Was schrieb Louis XVI am 14. Juli 1789 in sein Tagebuch? » Die Vorschläge waren allesamt fantastisch. Tatsächlich aber schrieb er: Rien. Nichts.
Ein phänomenaler Anlass für einige Historiker, ein wenig Geschichtsfälschung zu betreiben. Na klar schreibt dieser vollkommen unsinnige König, der ja dann vom armen Volk unsanft seines Amtes beraubt wurde, einen solchen Schwachsinn in sein Tagebuch. Noch nicht einmal die Bedeutung eines Sturms der Bastille hat er erkannt!

Mes chers, wenn ich solch einen Unsinn lesen muss, rege ich mich auf. Sehr. Der arme Louis XVI gehört meines Achtens nach zu einer der unterschätztesten Gestalten der Geschichte. Aber natürlich muss der arme Mann als Bauernopfer herhalten. Schließlich hat das Volk  ja recht, und dann kann der König nur schwachsinnig sein. Gräbt man tief genug in der Geschichte, findet man sicherlich etwas, was diese These belegt.

Liebe Leser, dieses besagte Tagebuch war ein Jagdtagebuch und kann im übrigen in den Archives nationaux eingesehen werden. Das Tagebuch hat keinerlei politische Bedeutung, sondern listete lediglich auf, wie erfolgreich der König bei der Jagd war. Die Frage ist zudem: als der König dieses ominöse Nichts schrieb, wusste er bereits vom Sturm auf die Bastille? Als er davon erfuhr, soll er ja: « das ist eine Revolte! » gesagt haben. Und nicht Nichts.

Mes chers, man muss nicht lange in der Geschichte zurückgehen, um wirkliche Versager in der Politik zu finden. Oder Zauderer – so hat man den König ja auch gern genannt. Komisch, Zauderer – wieso fällt mir jetzt gerade Frau Merkel ein? Hmm, mal nachdenken… Als sie das letzte Mal eine Entscheidung getroffen… Ach ja. Oh. Jetzt weiß ich, wie ich auf zaudern und Frau Merkel komme. Als ich das letzte Mal derartige Kritik übte, entgegnete man mir übrigens: die arme Frau hat doch einen sehr schweren Beruf. Zum einen: das hat sie sich selbst ausgesucht. Zum zweiten: ich würde ihn machen, sofort. Und ja, ich traue mir das absolut zu. Welche Qualifikation ich habe? Ich kann Entscheidungen treffen. Sogar sehr gute mitunter. Uuund 😉 ich habe die gesammelten Schriften von Louis XIV gelesen – so gründlich, dass ich sogar sagen kann, welche Passagen ganz sicher nicht von ihm selbst stammen. Abgesehen davon kann man von ihm durchaus noch etwas lernen – Der König hat mehr politisches Verständnis in seinem kleinen Finger, was sage ich, in der Spitze seines kleinen Fingers, als manche der politischen Herrschaften heutzutage in ihrem ganzen Leib.

Manchmal genügt es einfach, den Fernseher einzuschalten. Deshalb, liebe Historiker, lasst den König in Ruhe. Ich halte ihn für fähiger als viele, die sich heute Politiker nennen. Also sucht doch einfach mal dort.

À suivre, Mes chers.