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Mes chers,

Lange habe ich mich nicht mehr einem meiner Lieblingsthemen, den Redewendungen, gewidmet. Dieses hole ich nun nach. Wie ich bereits einmal schrieb, sind ja Redewendungen das, was die  in die Sprache bringt – oder wie der Franzose sagt: le piment. Dank meines französischen Gatten und meiner Liebe zur französischen Sprache macht uns der Vergleich der Redewendungen im französischen und deutschen besonders Freude.

Dank unserer Nachbarn, die leider nicht so friedlich sind, wie wir sie gern hätten, begegnete uns nun eine neue: einen Streit vom Zaun brechen bzw. die französische Version: provoquer une querelle d’Allemand.

Besonders letzteres ist ja sehr interessant! Doch wo kommen diese beiden Redewendungen nun her? Gut, die deutsche Variante ist einfach: der Zaun kann, in kleinbürgerlichen Sinne, der Zaun des Nachbarn sein. Größer gedacht können wir es hier aber auch mit einem Grenzzaun zu tun haben. Wer einen Streit vom Zaun bricht, übertritt diesen, betritt also fremdes Territorium, und setzt sich dort mit dem Nachbarn auseinander.

Aber une querelle allemand? Suchen wir mal in den Quellen. Witzigerweise taucht der Ausdruck zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Bedeutungen auf. Eine davon ist diese: ursprünglich lautete die Redewendung: provoquer une querelle à la main (!!!) – was in die Richtung geht: einen Streit aus dem Ärmel schütteln. Aus à la main wurde alamain, alaman, Allemand. Das ist ja aller-Hand 😉

Bei Michel de Montaigne findet man une querelle d’Allemagne. D’accord, das ist schon deutlicher. Doch woher kommt dieser Ausdruck? Interessanterweise sagt man den Armeen des deutschen Kaisers insbesondere bezüglich der Schlachten des Mittelalters und der Neuzeit besondere Streit sucht nach. Es gibt Berichte darüber, dass die Soldaten, besonders nach dem Verzehr einer gewissen Menge Rotweins – wahrscheinlich  französischen 😉 – zu Provokation neigten und das gegnerische Heer quasi über den Zaun hinweg beleidigten.

In den französischen Quellen findet man noch etwas interessantes: nachdem in den deutschen Geschichtsbüchern ja meist die Franzosen als Aggressor gelten – hier  wird einmal mehr schön die Geschichte gefärbt – sehen die Franzosen das erwartungsgemäß anders. Der spanische Erbfolgekrieg  ist das beste Beispiel – tatsächlich stieß ich kürzlich auf einen deutschen  Bericht, der endlich einmal den Habsburger als Aggressor nannte und nicht, wie in deutschen Geschichtsbüchern häufig zu lesen, cher Louis XIV. Ihm blieb  meines Erachtens nach keine andere Möglichkeit, so zu handeln, wie er gehandelt hat, aber das wird vielleicht Gegenstand eines anderen Artikels sein.

Warum brechen wir nun einen Streit  vom Zaun? Aus eben diesem Gründen. Man missachtet im Prinzip die Grenzen und setzt sich über das Eigentum anderer hinweg. Es gibt interessante Bericht aus dem Mittelalter, die beschreiben, dass es auch damals schon Auseinandersetzungen wegen Nichtigkeiten gab, die durchaus handgreiflich werden konnten. Gern genutzt wurden in diesem Fall,  um schlagkräftig Nachdruck zu verleihen, Bauteile wie Stöcke, Latten, alles, was man zum Bau eines Zaunes braucht. Bereits bei Martin Luther ist die Redewendung bekannt.

Eine Redewendung, die übrigens einen ähnlichen Ursprung hat, ist: auf den Sack gehen. Das bespreche ich in einem weiteren Artikel.

Wie auch immer: Streit ist  immer schlecht. Deshalb: brechen Sie nichts übers Knie und seien Sie friedlich.

Votre Louise