Mes chers,

Sie lesen hier die Fortsetzung von Le Louvre – entr’acte.

Wie ich im ersten Teil bereits schrieb, erzählt diese Geschichte ja von zwei Personen. Natürlich stößt man beim Quellenstudium unweigerlich auf Louise de La Vallière, die von den meisten Biographen noch etwas weniger freundlich bedacht wird. „Blond, naiv, nicht eben klug“, ist eine vielfach vertretene Meinung. Doch wie kommen solche Meinungen über sie zustande? Nun, sie ist die einzige, die angeblich nichts hinterließ.

Stattdessen wird über sie gesprochen, und das von Damen, die allen Grund zum Neid haben. Merkwürdig, von Liselotte von der Pfalz bishin zu der Marquise de Maintenon, die beide nicht das sind, wozu die Geschichtsschreibung  sie gemacht hat, gibt es eine ganze Menge an Plaudertäschchen am Hof des Sonnenkönigs, so könnte man glauben. Die einzige, die lediglich am Rande oder fast gar nicht zu existieren scheint, ist Louise de La Vallière.

Ich suchte also weiter und hatte das unfassbare Glück, an documents inédits, nicht herausgegebene Dokumente zu gelangen, die eine ganz andere Frau schildern: Klug, eine hochgebildete Frau mit feinem Humor und echter Herzenswärme. Die Fragen häuften sich: aus dem reichhaltigen Schriftverkehr zwischen Louis XIV und Louise de La Vallière ist nichts mehr erhalten – sagt man.

Man hat sogar den Eindruck, dass man sie absichtlich in den Hintergrund drängt. Warum findet man in Versailles so wenig von ihr, ist doch ihre Geschichte eng mit Versailles verwoben? Kurioserweise wird ihrer mit entsprechender Würdigung in Schloss Herrenchiemsee gedacht, das der bayrische König Ludwig II. als Hommage an Louis XIV errichten ließ. Hatte eventuell Ludwig II. einen anderen Zugang zur Geschichte?

Bilder, die unter anderem in Versailles ausgestellt sind, sind mit „Marquise de Montespan“ beschriftet, zeigen meines Erachtens nach aber unübersehbar Louise de La Vallière. Schaut man sich frühe Bilder der Montespan an, stellt man fest, dass sie sich selbst nicht sonderlich ähnelt. Warum nicht? Weil da eine andere Person abgebildet ist. Das Drama „The Duchess of La Vallière“ eines englischen Dramatikers warf noch mehr Fragen auf.

Dann war da ein Fund, der mich endgültig in die Richtung denken ließ, dass sich die Geschichte auch anders zugetragen haben könnte als berichtet: in einem Stadtarchiv fand ich einen Eintrag, der um 1685 datiert war:

Le Roy prit la décision […] parce que la Dame de La Vallière le voulut.

Der König  traf die Entscheidung, […], weil die Dame de La Vallière es so wollte.

Die Jahreszahl stimmte mich noch etwas nachdenklicher. Die offizielle Geschichte hat Mademoiselle de La Vallière zu dieser Zeit nämlich längst ins Kloster verbarrikadiert.

Ich schreibe also einen Roman, der Geschichte der beiden zum Thema hat, und zwar so, wie ich weiß, dass sie tatsächlich geschehen ist. Quellen, die ich an dieser Stelle nicht offenlegen möchte, lassen mich dessen sicher sein.

Als nächstes folgt die Auflösung des Bilderrätsels.

À suivre.