Mes chers,

nun denn, zum Louvre. Diese Geschichte ist für mich zugleich « Outing » – über was schreibe ich eigentlich? – historische Kriminalgeschichte und ein wenig Inspecteur Maigret.
Nun, abgesehen davon, dass der Louvre in meinen Augen ein faszinierendes Gebäude ist – und das Museum wirkliche Schätze berherbergt, wenn man mal nicht auf die Mona Lisa fixiert ist – Ha, Zwischenfrage für Quizdueller: Wie heißt Mona Lisa mit Nachnamen? Antwort erfolgt morgen 😉 etwas Neugier muss sein.

Was also wollten wir beim Louvre? Lassen Sie es mich so sagen: Geschichtsbücher sind häufig ungenau, und manchmal hat man den Eindruck, dass seit Jahrhunderten ein Historiker vom anderen abschreibt. Bitte, nichts gegen diese Zunft! Aber es gibt Dinge, die werden so in Stein gemeißelt, dass es nicht möglich scheint, an ihnen zu rütteln. Mes chers, mit einem französischen Gatten gesegnet, aber in Deutschland lebend, noch, fürchte ich um mein Französisch. Unter anderem deshalb verbringe ich einen Teil meiner Zeit in Paris mit einem Sprachkurs. Heute morgen standen unter anderem Kreuzworträtsel auf dem Programm, hin und wieder muss man sich entspannen  – und was befand sich in einem Kästchen? Ein Lückentext: Füllen Sie aus: L’…. c’est moi.

Gähn. Natürlich sollte es auf L’Etat c’est moi – Pardon, da habe ich glatt die deutsche Übersetzung vergessen: der Staat bin ich. – hinauslaufen, angeblicher Leitsatz des Absolutismus und gern als Zitat cher Louis XIV in den Mund gelegt. Dieser aber hat diesen famösen Satz nie gesagt. Natürlich habe ich genau dieses zum Ausdruck gegeben, worauf mir selbst die französische Lehrerin erstaunt erklärte: das habe ich aber so gelernt. Ja, natürlich. Nicht alles, was man lernt, ist richtig. Mittlerweile hat sogar die deutschen Wikipedia eingesehen, dass der Satz so nie gesagt worden ist. Über dies hat die Wikipedia auch mit dem Vorteil aufgeräumt, cher Louis XIV sei ein kleiner Mann gewesen – damit ist die Körpergröße gemeint. Was soll ich sagen: Louis le Grand passt in jedem Falle. Ein Mann von großen Geist und entsprechender Körpergröße. Den ungefähr errechneten 1,86 Meter gesteht man ihm erst seit kurzem zu. Die französische Wikipedia ist noch bei dem alten Maß. Bitte, mes chers. Wir sprechen doch hier nicht über monsieur Mala… Bonaparte. Dieser hat ganz sicherlich etwas kompensieren müssen. Deshalb spricht der Psychologe auch vom Napoleon-Komplex.

Nun, der Schaden ist bereits angerichtet. Generationen haben diesen Satz gelernt, und Generationen haben in keiner Weise verstanden, dass es so etwas wie den Absolutismus nicht gibt. Warum heißt es Monarch? Ganz provokativ: weil einer -arch ist. Das meine ich in keiner Weise despektierlich. Im Falle de cher Louis XIV: Man muss das Offensichtliche nicht betonen. Natürlich ist er der Staat, wer denn sonst? Mich persönlich wundert es immer wieder: es gab einige Monarchen in der Geschichte Frankreichs, die sehr viel mehr auf so etwas wie die absolute Macht gepocht haben als Louis XIV. François Ier. Louis XI. Die lässt man aber in Ruhe.

Ich konnte es mir nicht verkneifen und fragte: wann soll er das denn gesagt haben? Meistens gibt es zu diesen schönen Geschichten doch immer einen adäquaten Hintergrund. Die Dame zuckt die Achseln. Ich kann nur sagen, dass ich das so gelernt habe. Genau, sage ich, wahrscheinlich fiel der Satz jeden Morgen nach dem Aufstehen. « Louise, donne-moi mon café. Et ceterum censeo L’Etat c’est moi. » Heute bin ich Absolutist, weil alles andere Blödsinn ist. Nein, meine Lieben. Das habe ich mir gerade ausgedacht. Aber vielleicht würde dieser Satz von Google ja so indiziert, dass man cher Louis XIV in 300 Jahren diesen Satz unterjubelt und überzeugt davon ist, er spräche Deutsch. Für die flüchtigen Leser markiere ich das fett. Dann glaubt man das jetzt schon 😉

Mes chers, was hat das alles mit dem Louvre zu tun? Donc, es ist ein Irrtum, dass sich der König nach seinem Umzug nach Versailles ausdrücklich nur noch dort aufgehalten habe. Es ist auch ein Irrtum, dass er Versailles habe bauen lassen, weil er Paris hasste und der Hauptstadt entgehen wollte. Manchmal ist die Antwort sehr einfach: der Louvre war einfach zu klein, Paris wurde immer größer und es war schlicht kein Platz mehr da, um den Louvre noch einmal zu erweitern. Dennoch war der Louvre nach wie vor Stadtschloss. An und in ihm hat der König deutliche Spuren hinterlassen.

Bitte lassen Sie die Bilder auf sich wirken. Das Rätsel, dass sich hinter diesen verbirgt, im nächsten Artikel.