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Mes chers,

wir haben den ersten Tag in Paris hinter uns – leider, denn diese Stadt ist viel zu wundervoll!

Nun denn, die Startroute für den ersten Tag. Seien Sie nicht verwundert, wenn es so wenig erscheint – zum einen verbringe ich die Vormittage noch mit einem Sprachkurs, zum zweiten möchten wir niemanden mit « Um 12:34 habe ich den Paris-Pass abgeholt » langweilen – pardon, das hier war nur ein Beispiel 😉

Nun denn wirklich: die Startroute. Wir begannen am Boulevard Poissonniere und brachen Richtung Basilique Notre Dame des Victoires auf. Eines ist schade: in Paris haben viele Sehenswürdigkeiten Montags oder Dienstags geschlossen. In vielen Fällen ist im Reiseführer noch Dienstag angegeben, das trifft aber für diese und für die Eglise Saint-Roch nicht mehr zu. Beide waren heute leider geschlossen, Bilder von « innen » wird es also morgen geben.

Beide Kirchen liegen mir sehr am Herzen – die Basilique Notre Dame des Victoires ist der Schauplatz einer der wesentlichsten Entscheidungen im Leben meines tief geschätzten Protagonisten Louis XIV. Einige Meter hinter der Kirche kann man ihn sogar finden – in Form einer Statue équestre auf der Place des Victoires, die zu einem der sogenannten Places Royales, zu den königlichen Plätzen gehört. Über diese werde ich noch separat berichten. Nun, als ich näher trat, respektvoll, selbstverständlich, bemerkte ich mit Erstaunen etwas, das letztes Mal, als wir in Paris waren, noch nicht da war: irgend jemand hat dem König eine Augenbinde umgelegt.

Man siehe den Vergleich in den Bildern.

Nach erster Aufregung – ich glaube, ich sagte so etwas wie crime de lèse-majesté, Majestätsbeleidigung, folgte ich der Blickrichtung – nun, mir würde es als französischer Monarch auch nicht gefallen, auf die Trikolore zu schauen. Spontan schoss uns durch den Kopf: Justitia. Und dann: vielleicht hält er seine Augen so lange bedeckt, bis die wahre Geschichte über ihn geschrieben worden ist.

Als ich mit den Fotos befasst war, trat ein – sehr nettes – amerikanisches Ehepaar auf mich zu. « Do you speak English? » « Yes, a bit. » In Frankreich immer nur a bit, ich muss dauernd zwischen Deutsch und Französisch wechseln, das beschäftigt mich genug 😉 « Do you know which king is this? » Gut. Tief durchatmen. Ich verliere leicht die Contenance: « Das wissen Sie nicht? » Die Herrschaften haben den Anstand, betreten auszusehen. « This is famous Louis XIV, greatest king ever. » Die Herrschaften freuen sich über meine Begeisterung und lassen sich von mir eine Kurzbiographie geben. Als ich sie noch mit weiteren Reisetipps versorgt habe, teilen sie mit: Die nächste Station ist Tours. Tours, wunderbar, auch da geht es für uns noch hin. Ich beglücke die beiden noch mit einer Kurzbiographie de chère Louise de La Vallière, die ja dort geboren ist. « You know a lot », bedankt sich der Herr. Muss ich, sage ich, ich schreibe schließlich über die beiden.

Übrigens ist die Statue kein Original – das Orginal wurde während dieser entsetzlichen Revolution entfernt – und, ich wage es kaum zu schreiben, eingeschmolzen, um Kanonen daraus zu gießen. Ich halte einen Augenblick inne. Louis XVIII  gab als Zeichen der Restauration eine Neuanfertigung in Auftrag, die 1828, dann unter Charles X, auf der Place des Victoires errichtet wurde. Das ist diese, die Sie heute sehen.

Sie hat übrigens nicht mehr viel mit dem Original zu tun, die kein Reiterstandbild ist. Im Gegenteil: der König, im costume de sacre, steht aufrecht, zu seinen Füßen ein niedergeworfener Zerberus. Der Sockel wird von vier allegorischen Figuren geziert: la résignation, l’abattement, la colère et l’espéranceResignation, Niedergeschlagenheit, Wut – zum Schluss die Hoffnung. Gemeinhin wird in die Statue und ihre Darstellung ein weiteres Sinnbild für die militärischen Erfolge du Grand Roy hineininterpretiert. Glauben Sie mir, liebe Leser, Sie irren. Die Fortsetzung wird hier zu lesen sein.

Die Eglise Saint-Roch beherbergt das Grabmal der Marie Anne de Bourbon, Tochter des Königs und der Louise de La Vallière, wie man diese bisher in der Welt kennt. Auch deren Geschichte ist eine andere als man die Welt glauben macht.

Sehen Sie für heute die Bilder – die letzte Station war, natürlich, die Rue Louis Le Grand – für die historischen Müßiggänger das Straßenschild mit Erläuterung.