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Nos chers,

Einige von Euch wissen ja, dass ich eine große Vorliebe für Literatur habe – insbesondere für Märchen. Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass die tatsächlichen Helden in diesem Märchen immer die Prinzen sind? Gewisse Muster sind ja durchaus erkennbar, im Regelfall gewinnt der Prinz das Mädchen und irgendein halbes Königreich.

Da stellt sich nur noch die Frage: warum ist im Regelfall der König außen vor? In den meisten Märchen ist dieser ein alter Knabe, der aber einen ganz fantastischen Sohn aufzubieten hat,  oder aber er hat lediglich eine Tochter, die er bestmöglich zu verheiraten wünscht, was dann im Regelfall zu Komplikationen führt. In einigen Märchen ist es auch der König selbst, der sich in fortgeschrittenem Alter noch einmal verheiraten will, was meist nicht besonders gut glückt.

In diesem Kontext fiel mir noch ein anderer Zusammenhang ein: im Rheinland wird ja gern und lang Karneval gefeiert. Welches Kostüm lieben die Mädchen? Natürlich Prinzessin. Hmm, Prinzessin wollen sie sein, aber nie Königin.

Warum nicht? Fragte ich mich. Nun, die Antwort ist eigentlich einfach: König sein ist richtig harte Arbeit – mit Verlaub, auf konstitutionelle Monarchien möchte ich diese Aussage jetzt nicht beziehen – und die Königin hat mindestens soviel Arbeit am Hals wie ihr Mann. Aber Prinz? Dieser ist schlussendlich doch ein König in Warteposition. Man könnte auch etwas bösartig sagen: ein Prinz ist ein König auf Hartz IV – es gibt keine Anstellung für ihn, bevor nicht der alte den Platz frei gibt, und so lange lebt er von den Zuwendungen des Staates, in diesem Falle Apanagen genannt. Seine Frau, die Prinzessin, teilt dieses Schicksal.

Nun, man könnte sagen: Märchen waren der Fernseh-Ersatz des 17. Jahrhunderts – damit würde man allerdings den wunderbaren Autoren bitter Unrecht tun, würde man sie mit der Qualität des heutigen Fernsehprogramms vergleichen. Zudem sind es ja nicht die Märchen allein, als Liebhaberin Racine’scher Dramen – in barockem Französisch bitte – weiß ich auch das Theater sehr zu schätzen.

Und dennoch lieben wir Märchen. Psychologen haben sich mit den Aussagen hinter Märchen beschäftigt, aber soll ich Ihnen etwas sagen? Das ist mir vollkommen gleichgültig. Märchen laden zum Träumen ein. Märchen sind wundervoll vor einem brennenden Kamin-Feuer, ein Vergnügen, das sich durch den köstlichen Mann und den köstlichen Wein an meiner Seite noch steigern lässt. Märchen erlauben Fantasie. Sie umhüllen uns, weil wir wissen: es geht immer gut aus.

Ich für meinen Teil gebe gern zu: ich träume auch heute noch gern von den König auf dem weißen Pferd. Der sieht dann übrigens immer ein wenig aus wie Louis XIV.